B 96n: Flutungsbeginn zur Renaturierung der Mellnitz-Üselitzer Wiek

Nach einer Bauzeit von eineinhalb Jahren wurde die Mellnitz-Üselitzer Wiek als Kompensationsmaßnahme für den Bau der 2. Strelasundbrücke fertiggestellt und am 19. August 2011 geflutet. Der Abschnitt des Rügenzubringers B 96n zwischen der Ortsumgehung Stralsund und dem Knotenpunkt Altefähr auf Rügen ist seit 2007 unter Verkehr.

Bei der Wiek handelt es sich um eine zuvor entwässerte Feuchtniederung, die seit den 1930er Jahren durch Eindeichung von der Puddeminer Wiek getrennt und unter Einsatz eines Schöpfwerkes entwässert und in Grün- und Ackerland umgewandelt worden war. Dadurch verschwanden weite Wasserflächen sowie Küstenüberflutungsmoore, und eine Mineralisierung der Torfböden setzte ein.

Bei der Planung der 2. Strelasundquerung hat die DEGES bereits umfangreiche Linien­untersuchungen und Variantenvergleiche durchgeführt und strenge Maßstäbe bei der Bau­durchführung zur Minderung von Eingriffen in Natur und Landschaft angelegt. Doch auch die als Vorzugslösung gewählte Hochbrücke war nicht ohne Beeinträchtigungen von Funktionen des Naturhaushalts umzusetzen. Die Mellnitz-Üselitzer Wiek bot hervorragende Voraus­setzungen, Beeinträchtigungen der Küstenlebensräume durch Renaturierung auszugleichen.

In enger Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden von der Landes- bis zur Kreisebene hat die DEGES ein Konzept entwickelt, das landschaftsökologische Entwicklungspotential dieser ehemaligen Meeresbucht im Sinne der Kompensationserfordernisse zu nutzen.

Landschaftspflegerisches Ziel ist es, die unterhalb des Meeresspiegels liegenden Teile der Wiek zu fluten und hier den Mittelwasserstand des Strelasunds wirksam werden zu lassen. Für den Hochwasserschutz einerseits und die Einhaltung der ökologisch erforderlichen Mindestwasserstände andererseits dient ein Wehr zur Puddeminer Wiek, dessen Zuflusssteuerung über die Pegel und Schöpfwerke automatisch erfolgt.

Mit Freigabe des Zuflusses vom Sund in die Wiek werden nach einer fast 80-jährigen Trockenlegungsphase die letzten erforderlichen Voraussetzungen für die Entwicklung gewässerökologisch wertvoller Übergangsbereiche zwischen flachen Salz- und Süßwasserökosystemen (Überflutungsregime), Brackwasser-Lebensräume mit Rast- und Nahrungshabitaten für Zugvögel bzw. Brutlebensräume für Vogelarten der Wasser- und Röhrichtbiotope geschaffen. Von der insgesamt 215 Hektar umfassenden landschaftspflegerischen Ersatzmaßnahme werden durchschnittlich 100 Hektar von Wasserflächen bedeckt sein. Flächen für extensive Grünlandbewirtschaftung, für eine gelenkte Sukzession und Gehölzpflanzungen bilden den Übergangsbereich zu den angrenzenden Agrar- und Siedlungsbereichen. Die Baukosten für die umfangreichen Maßnahmen belaufen sich auf ca. 3 Mio. Euro.