Was sind schon fünf Stunden im Vergleich zu drei Jahren Bauzeit? Richtig, nichts. Und so fielen die auch nicht ins Gewicht, als am Morgen des 16. Juli das Mittelteil der Rader Hochbrücke um 9:52 Uhr seine Endposition erreicht hatte, der ursprüngliche Zeitplan hatte 5:00 Uhr als Ziel genannt. Alle, wirklich alle waren dennoch zufrieden, und das konnten sie auch sein: Der Transport vom Rendsburg Port zur Baustelle ging in sechzig statt einhundertzwanzig Minuten vonstatten, das Einschwenken des Pontons klappte reibungslos, und kurz darauf war selbiger an beiden Kanalufern vertäut.

Aber erleichtert waren sie auch.

Zunächst passierte nichts besonders Erwähnenswertes, die Arbeiter ließen die Litzen zum Anschlagen herab, der Hubvorgang begann. Vier Litzen mit je 400 Tonnen Tragkraft, da bleiben bei 1.250 Tonnen Gewicht des Stahlteils noch jede Menge Reserven. Zwei Stunden nach Beginn, gegen Mitternacht also, konnte sich der Ponton wieder auf den Weg Richtung Cuxhaven machen, die Techniker bedurften seiner nicht mehr, das Mittelteil schwebte majestätisch über der glatten Wasseroberfläche des Nord-Ostsee-Kanals. In 25-Zentimeter-Schritten ging es nach oben, bei Sonnenaufgang gegen 4:30 Uhr war bereits mehr als die Hälfte der 50 Meter geschafft, Optimismus machte sich breit – zu früh…

Denn um fünf, um sechs, um sieben und um acht Uhr waren die letzten etwa 60 Zentimeter immer noch nicht geschafft. Der Grund: Ob der zu erwartenden warmen Temperaturen rechneten die Ingenieure mit einer spürbaren Ausdehnung des bestehenden stählernen Brückenkörper und damit viel Druck auf das Mittelteil. Druck, der erst nach Abschluss der Schweißarbeiten erwünscht war. Also entschied man sich ein Trennschneiden am Mittelteil am nördlichen Brückenende – ein Prozess, der Zeit in Anspruch nahm…

So viel Zeit, dass die Sperrpause des Nord-Ostsee-Kanals um eine Stunde auf zehn Uhr verlängert werden musste. Kurz vor dieser Deadline, genau um 9:52 Uhr, meldete das Team von der Brücke Vollzug. Eine Punktlandung also, aber auch eine, die Nerven gekostet hatte.

Dennoch: Die DEGES hat einmal mehr ihre Kompetenz in Sachen Brückenbau unter Beweis gestellt. Mit Verladung und Einhub ist der Weg zum fertigen Teilbauwerk nunmehr frei.

Viele Menschen haben das am Bildschirm verfolgt, der Live-Stream der DEGES knackte im Lauf der Nacht die 125.000-Marke an Zugriffen. Wir haben uns gern bei der Arbeit zuschauen lassen – auch wenn’s am Ende fast fünf Stunden länger gedauert hat. Aber wie gesagt: Was sind schon fünf Stunden bei einer Bauzeit von drei Jahren…

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen finden Sie im Projekt:

A 7: Ersatzneubau Rader Hochbrücke