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Bundesfernstraßen Digital bündelt die Aktivitäten von Bund, Ländern und Partnern zur Digitalisierung von Planung, Bau, Betrieb und Erhaltung von Bundesfernstraßen. Die DEGES verantwortet die integrierte Kommunikationsplattform der Dachmarke und sorgt für eine einheitliche, verständliche Kommunikation zu Themen wie BIM und Digitaler Zwilling. So werden die digitale Transformation und die bundesweite Standardisierung nachhaltig unterstützt.

BIM in der Geotechnik macht den Untergrund durchgängig digital verfügbar und als 3D-Modell für die digitale Planung, den Bau und den Betrieb nutzbar. Beim Fachforum „BIM in der Geotechnik“ des Bundesministeriums für Verkehr am 9. Juni 2026 wurde deutlich: Für die Bundesfernstraßen liegen unterschiedliche Erfahrungen mit der Integration geotechnischer Daten in BIM-basierte Planungen vor. Nun geht es darum, projektspezifische Ansätze stärker zusammenzuführen und gemeinsame Grundlagen weiterzuentwickeln. Bundesfernstraßen Digital – Das Magazin greift zentrale Punkte aus der Diskussion auf und stellt die Perspektive der Bundesfernstraße in den Mittelpunkt, vertreten durch Ina Hecht, Autobahn GmbH des Bundes, und Bo Lampe, DEGES.

Das Magazin (M): Herr Lampe, Frau Hecht, wo steht BIM in der Geotechnik heute? Ist das Thema bereits im Regelprozess angekommen?

Bo Lampe (BL): Bei der DEGES setzen wir Baugrundmodelle bereits seit mehreren Jahren ein und beauftragen sie mit einem definierten Informationsgehalt. Sie dienen vor allem der Planung und der fachlichen Entscheidungsfindung. Dafür wurden eigene Standards entwickelt, etwa eine Modellierungsrichtlinie und ein Merkmalskatalog. In diesem Sinne ist BIM in der Geotechnik bei der DEGES Teil des Regelprozesses. Im Gesamtsystem Bundesfernstraße befinden wir uns aber noch in einer Phase zwischen Pilotierung und Harmonisierung – insbesondere, wenn es um Standards und die durchgängige Nutzung über alle Lebenszyklusphasen geht.

Ina Hecht (IH): Die bisherigen Erfahrungen zeigen ein gemischtes Bild. In vielen BIM-Pilotprojekten war die Geotechnik beteiligt, aber die Modellierung ist aufwändig und der Nutzen hängt stark vom jeweiligen Anwendungsfall ab. Sinnvoll ist sie beispielsweise für Kollisionsprüfungen, Massenermittlung oder Massenplanung. Weniger überzeugend ist der Aufwand, wenn ein Modell am Ende nur genutzt wird, um Schnitte darzustellen. Zwischenzeitlich hatte daher eine gewisse Ernüchterung eingesetzt, derzeit gewinnt die Diskussion jedoch wieder an Dynamik aufgrund aktueller Themen, wie beispielsweise Grundwassermodellierung.

M: Frau Hecht, Sie haben einmal gesagt: Geotechnik ist nicht konstruktiver Ingenieurbau. Warum ist die Modellierung des Baugrunds so anspruchsvoll – und wie sollte mit den dabei entstehenden Unsicherheiten umgegangen werden?

IH: Der Baugrund ist kein klar definiertes Bauteil. Gerade in frühen Planungsphasen ist er nur punktuell durch Aufschlüsse bekannt; dazwischen bleiben Unsicherheiten. Schichtverläufe lassen sich nicht einfach mathematisch verbinden, sondern beruhen auf fachlicher Interpretation, Erfahrung und lokalen Kenntnissen. Diese Unsicherheiten schon immer Teil geotechnischer Gutachten. Im digitalen Modell werden sie aber deutlicher sichtbar und müssen bewusst behandelt werden.

M: Herr Lampe, Sie haben unterschiedliche Definitionen und Standards angesprochen. Führt das in der Praxis zu Problemen?

BL: Die Herausforderung liegt darin, dass wir aktuell unterschiedliche organisationsspezifische Empfehlungen und Richtlinien haben, die in Teilen nicht deckungsgleich sind. Die DEGES hat für eigene Projekte praktikable Festlegungen getroffen. Wenn Daten aber zwischen Organisationen, Verkehrsträgern oder Projektphasen genutzt werden sollen, müssen diese Ansätze besser anschlussfähig werden. Die Autobahn GmbH des Bundes und die DEGES erarbeiten derzeit einen gemeinsamen Objektkatalog, der auch für das Fachmodell Baugrund Objekte und Merkmale als Standard setzt. Perspektivisch sollte dieser auch über die Bundesfernstraße hinaus anschlussfähig sein.

M: Wenn Sie beide vom heutigen Stand aus weiterdenken, was müsste als nächstes passieren, damit BIM in der Geotechnik den nächsten Reifegrad erreicht?

BL: Der nächste Schritt muss sein, die bestehenden organisationsspezifischen Ansätze zu vereinheitlichen. Es braucht standardisierte Modellierungsrichtlinien, gemeinsame Objekt- und Merkmalskataloge und aufeinander abgestimmte Prozesse. Entscheidend ist außerdem, dass Baugrunddaten über den gesamten Lebenszyklus hinweg genutzt und fortgeschrieben werden – von der Planung bis in den Betrieb. So wird der Baugrund vom projektspezifischen Gutachten zu einem gemeinsamen, wiederverwendbaren Datenbestand.

IH: Genau. Wir brauchen mehr Einheitlichkeit, etwa bei der Benennung und Definition von Homogenbereichen. Das ist wichtig, um über mehrere Projekte anhand der Leistungsverzeichnisse Einheitspreise generieren zu können und Erkenntnisse aus der Bauphase zurückzuführen. Wenn beispielsweise während des Bauens neue Baugrunderkenntnisse entstehen, sollten diese nicht verloren gehen, sondern strukturiert in Modelle oder Datenbanken zurückfließen.

M: Wenn Sie jeweils einen zentralen Hebel benennen dürften: Was müsste als Nächstes passieren, um die Integration geotechnischer Modelle in BIM voranzutreiben?

IH: Der wichtigste Hebel ist die Verbindung von Standardisierung und geotechnischer Fachrealität.

Dabei müssen Regelwerke und Modellierungsansätze berücksichtigen, dass Annahmen, Unsicherheiten und Interpretationen Teil der geotechnischen Arbeit sind. Modelle dürfen keine Scheingenauigkeit erzeugen, sondern müssen Annahmen, Unsicherheiten und Erkenntnisse aus der Bauphase nachvollziehbar abbilden. Dafür braucht es klarere Grundlagen, bessere Datenstrukturen und eine systematische Rückführung von Baugrunderkenntnissen. Auf jeden Fall sollten sich die Verkehrsträger, die Fachgesellschaften und die Bauindustrie auf Fach- und Arbeitsebene zusammensetzen, um eine einheitliche Sprache zu sprechen und eine gangbare Lösung für die Schnittstellen zu finden.

BL: Dem schließe ich mich direkt an. Ein dauerhaftes, fachlich starkes Austauschformat für BIM in der Geotechnik wäre ein wichtiger Hebel, um die vorhandenen Ansätze aus Projekten, Organisationen und Fachgesellschaften zusammenzuführen und in bundesweit tragfähige Grundlagen zu überführen. Dafür braucht es Geotechnik, BIM, Verwaltung, Forschung und Praxis an einem Tisch.

M: Frau Hecht, Herr Lampe, vielen Dank für das Gespräch.

Die DEGES setzt bei der Planung und Umsetzung von Infrastrukturprojekten auf die Vorteile der Digitalisierung. Der dafür gegründete Projektbereich „Digitalisierung und IT“ erarbeitet seit 2018 Standards für die Ausschreibung und Umsetzung von BIM Projekten in der Planungs- und Bauphase. Durch die integrierte IT-Abteilung können digitale Lösungen ganzheitlich gedacht und umgesetzt werden. Mit einer eigenen Digitalisierungsstrategie hat die DEGES darüber hinaus die Digitalisierung aller geschäftsrelevanten Abläufe zum Unternehmensziel erklärt. 

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