Digitale Inforunden: im Bau nah dran an den Anwohnerinnen und Anwohnern
Kurze Videokonferenz statt großer Saalveranstaltung: Wie die DEGES in NRW mit digitalen Inforunden nah an Anwohnerinnen und Anwohnern bleibt.

Wer Baumaßnahmen an Bundesstraßen und Autobahnen begleitet, weiß: Anwohnerinnen und Anwohner haben Fragen – und sie wollen gehört werden. Die DEGES in Nordrhein-Westfalen hat dafür ein Format entwickelt, das ebenso schlicht wie wirkungsvoll ist: die digitale Inforunde. Keine gemietete Turnhalle, kein aufwendiges Studio-Setup – stattdessen eine Videokonferenz aus dem Besprechungsraum, die oft in weniger als einer Stunde alles klärt, was die Betroffenen wissen möchten.
Klein, schnell, direkt
Die Idee entstand als logische Weiterentwicklung der digitalen Informationsveranstaltungen, die die DEGES seit 2020 durchführt. Während die großen Livestream-Events auf eine breite Öffentlichkeit ausgerichtet sind, richten sich die Inforunden an konkrete Zielgruppen – etwa die betroffene Anwohnerschaft oder gewerbliche Anrainer, die von einer bestimmten Streckensperrung oder einer erhöhten Lärmbelastung direkt betroffen sind. Eingeladen wird über klassische Anwohnerschreiben, die persönlich in die Briefkästen verteilt werden, über die Projektwebseite und über die Tagespresse.
Typischerweise schalten sich zwischen 20 und 80 Personen zu – je nach Thema und Betroffenheit auch mehr. Simone Döll, Kommunikationsverantwortliche der DEGES in NRW, betont dabei den Servicegedanken:
Dieses Format beginnt bewusst nur mit einem kurzen Einstiegsvortrag, denn im Mittelpunkt steht die Fragerunde. Wir halten es unkompliziert: Sobald alle Fragen beantwortet sind, endet die Veranstaltung. Deshalb ist die Inforunde oft schon nach 35 bis 45 Minuten vorbei – aus Respekt vor der Zeit der Teilnehmenden.“
Dialog statt Einbahnstraße
Das Format lebt vom Austausch. Teilnehmende können Fragen bereits im Vorfeld über das Kontaktformular oder das Bürgertelefon einreichen. Während der Veranstaltung sammelt ein Team die Chat-Nachrichten ein, clustert sie nach Themen – etwa Lärmschutz, Verkehrsführung oder Zeitplan – und leitet sie an die Moderatorin Simone Döll weiter. Die Beantwortung der Fragen erfolgt dann in einer Interviewsituation zwischen Moderatorin und Projektleitung: „Es ist keine Einbahnstraße. Wir nehmen genauso viel mit, wie wir geben. Manchmal tauchen in der Inforunde Themen auf, deren Bedeutung wir anders eingeschätzt hatten. Und das sind wir für uns als Vorhabenträger wertvolle Rückmeldungen.“
Niedrige Hemmschwellen, hohe Beteiligung
Ein entscheidender Vorteil: Das Format setzt Hemmschwellen herab. Für viele ist es schlicht leichter, eine Frage im Chat zu stellen, als sich in einem öffentlichen Saal zu Wort zu melden. „So kommen auch Leute mit ihren Fragen auf uns zu, die sich in einer Präsenzveranstaltung vielleicht nie trauen würden oder schlichtweg keine Zeit hätten, zur Veranstaltung zu kommen“, so Döll.
Hinzu kommen handfeste Vorteile für alle Beteiligten: keine Anfahrt, keine Parkplatzsuche, kein fester Veranstaltungsabend mit Rahmenprogramm. Das spricht eine heterogene Zielgruppe an – von berufstätigen Eltern bis hin zu Gewerbetreibenden, die wissen wollen, wie ein Bauvorhaben ihr Geschäft beeinflusst. Auch Journalistinnen und Journalisten schalten sich gelegentlich zu – als schnelle, direkte Informationsquelle.
Bewährt in NRW, mit Potenzial darüber hinaus
Aktuell werden Inforunden bei mehreren NRW-Projekten im Bau eingesetzt. Das Format bewährt sich dabei quer durch die Regionen: im Rheinland genauso wie im Ruhrgebiet oder in Ostwestfalen.
Was als pragmatische Weiterentwicklung des digitalen Veranstaltungsformats begann, hat sich zu einem festen Bestandteil der Baukommunikation entwickelt – und zeigt, dass Digitalisierung in der Öffentlichkeitsarbeit nicht Distanz bedeutet, sondern das Gegenteil: mehr Nähe, mehr Austausch, mehr Menschen, die sich zu Wort melden.