Neues Forschungsprojekt belegt: BIM-Einsatz im Straßenbau rechnet sich
BIM im Straßenbau lohnt sich: Eine Studie der RWTH Aachen belegt ein Kosteneinsparpotenzial von rund 5 Prozent und bestätigt damit den Masterplan BIM.

Große Infrastrukturprojekte stehen unter ständiger Beobachtung. Sie sollen termin- und kostengerecht umgesetzt werden. Mit der Methode Building Information Modeling (BIM) setzt die DEGES deshalb bereits seit Jahren auf digitale, modellbasierte Prozesse. Bislang gab es in Deutschland jedoch kaum belastbare Untersuchungen dazu, welchen konkreten wirtschaftlichen Mehrwert diese Methode im Bundesfernstraßenbau erzeugt.
Mit dem Forschungsprojekt „Wirtschaftlichkeitsuntersuchung zur Anwendung der BIM-Methode“ wurde nun erstmals im Auftrag des Bundesministeriums Verkehr (BMV) systematisch erhoben, ob und wie stark sich BIM bei Infrastrukturprojekten auszahlt. Die Ergebnisse aus dem ersten Arbeitspaket liegen nun vor.
5 Prozent Einsparpotenzial bei den Baukosten
Die Forschenden des Instituts für Baumanagement, Digitales Bauen und Robotik im Bauwesen der RWTH Aachen haben auf Basis von Daten aus historischen DEGES-Projekten berechnet, wie hoch die Kostenabweichungen bei herkömmlichen Projekten waren – und simuliert, wie sich diese unter Einsatz von BIM entwickelt hätten.
Das Ergebnis ist eindeutig: „Nach allem, was uns an Daten vorlag, und auf Basis der angewandten Methodik hat die Studie gezeigt, dass wir beim gezielten Einsatz von BIM im Schnitt Kosteneinsparungen von rund fünf Prozent erreichen können“, erklärt Madeline Bard, die das Projekt bei der DEGES als Projektleiterin koordiniert hat. „Damit liegen wir beim wissenschaftlichen Nachweis genau in der Spanne von drei bis sechs Prozent, die der Masterplan BIM Bundesfernstraßen als Ziel vorgibt.“
Dem durchschnittlichen Einsparpotenzial stehen überschaubare BIM-spezifische Investitionen gegenüber. Die Studie hat für die Kostenbetrachtung einen Wirtschaftlichkeitsfaktor (Nutzen durch Aufwand) errechnet, der mit knapp 1:20 mehr als deutlich zugunsten von BIM ausfällt.
Der Blick in den Datenraum
Um diese Zahlen zu ermitteln, war viel Grundlagenarbeit nötig. Die DEGES lieferte dem Forschungsteam große Datensätze aus ihren SAP-Systemen sowie Kosten- und Terminpläne. In einem mehrstufigen Filterprozess wurden aus rund 2.500 SAP-Datensätzen 28 Projekte identifiziert, für die alle erforderlichen Informationen – darunter Kostenfortschreibungen und Erläuterungen – vollständig vorlagen.
Dass diese Datenerhebung eine große Herausforderung war, verhehlt Madeline Bard nicht: „Es ist nicht so, dass man bei historischen Projekten einfach auf einen Knopf drückt und eine fertige BIM-Wirtschaftlichkeitsanalyse herausfällt. Früher stand bei uns vor allem der Bau der Projekte im Fokus, nicht primär die strukturierte Speicherung von Projektdaten, die heute für solche nachträglichen Auswertungen gebraucht werden.“
In intensiver Abstimmung zwischen den Forschern und vielen DEGES-Spezialistinnen und Spezialisten – vom Unternehmenscontrolling bis zu Projektcontrollern und BIM-Managern – wurden in zahlreichen Interviews die Zusammenhänge und Kostenursachen identifiziert. „Besonders bei Abweichungen, Planungsänderungen, zusätzlichem Abstimmungsbedarf oder Schnittstellenproblemen sehen wir aus operativer Sicht sofort, dass die BIM-Methode hier große Vorteile bringt“, so Bard.
Daten als Fundament der Zukunft
„Die Studie zeigt uns nicht nur, dass BIM wirtschaftlich ist, sondern auch ganz konkret, wie wichtig eine saubere Datenqualität ist“, ergänzt Bard, die heute im Bereich Datenmanagement, Künstliche Intelligenz, Prozesse und Digitale Zwillinge bei der DEGES tätig ist. „Wir wissen jetzt noch genauer, welche Daten wir künftig strukturiert speichern und auswerten müssen, um den Mehrwert der digitalen Arbeitsmethoden fortlaufend belegen und steuern zu können.“
Direkt an diesem Nachweis und der Steuerung setzen die Arbeitspakete 2 und 3 des Forschungsprojekts an: Aktuell wird dort eine konkrete Kennzahlensystematik entwickelt und erprobt, mit der die DEGES künftig die Wirksamkeit von BIM kontinuierlich im Projektalltag überprüfen kann.
Die DEGES setzt bei der Planung und Umsetzung von Infrastrukturprojekten auf die Vorteile der Digitalisierung. Der dafür gegründete Projektbereich „Digitalisierung und IT“ erarbeitet seit 2018 Standards für die Ausschreibung und Umsetzung von BIM Projekten in der Planungs- und Bauphase. Durch die integrierte IT-Abteilung können digitale Lösungen ganzheitlich gedacht und umgesetzt werden. Mit einer eigenen Digitalisierungsstrategie hat die DEGES darüber hinaus die Digitalisierung aller geschäftsrelevanten Abläufe zum Unternehmensziel erklärt.
Digitalisierung lebt dabei von der Vernetzung. Wenn Sie zu unseren Digitalisierungsinitiativen etwas beitragen können oder an ähnlichen Themen arbeiten und sich austauschen wollen – wir freuen uns über die Vernetzung mit Ihnen!