Rückblick: Dialogforum „Bundesfernstraßen Digital“ – BIM wird Regelprozess, der Digitale Zwilling nimmt Gestalt an
Mehr als 1.000 Gäste diskutierten über den Start des BIM-Regelprozesses und die Perspektiven des Digitalen Zwillings Bundesfernstraßen.

Auftakt im Bundesministerium für Verkehr
Am 27. März 2026 fand im Bundesministerium für Verkehr (BMV) in Berlin das Dialogforum „Bundesfernstraßen Digital“ statt – federführend konzipiert und umgesetzt von der DEGES im Auftrag des BMV. Als erste Veranstaltung unter der gleichnamigen neuen Dachmarke führte sie BIM und den Digitalen Zwilling als zentrale Digitalisierungsthemen im Bundesfernstraßenbau zusammen. Mehr als 1.000 Fachleute aus Bund, Ländern, Wissenschaft und Wirtschaft begleiteten die Veranstaltung vor Ort und online.
In seinem Grußwort stellte Bundesminister für Verkehr Patrick Schnieder den Start des BIM-Regelprozesses als Meilenstein heraus: „Deutschland wird BIM-Land.“ Er verwies auf die zahlreichen Pilotprojekte in der Fläche – vom Um- und Ausbau der B 105 in Mecklenburg-Vorpommern über die Ortsumgehung Garmisch-Partenkirchen bis zum Ahebergtunnel in Niedersachsen – und unterstrich: Neue Planungen sollen künftig grundsätzlich mit BIM beginnen. Schnieder verwies zudem auf das Infrastruktur-Zukunftsgesetz, das digitale Methoden wie BIM stärkt und Planungsprozesse beschleunigt. Zugleich richtete er den Blick auf den Digitalen Zwilling als nächste Entwicklungsstufe und kündigte die Erarbeitung eines Masterplans Digitaler Zwilling Bundesfernstraßen noch in diesem Jahr an.
BIM im Regelprozess: vom Pilotprojekt in die Breite
Der Vormittag widmete sich dem Übergang von BIM in den Regelprozess. Steffen Müller, Leiter der Unterabteilung Straßen- und Ingenieurbau im Bundesministerium für Verkehr, setzte mit seinem Impulsvortrag den fachlichen Rahmen: 148 genehmigte BIM-Pilotprojekte bilden das Fundament, auf dem der Regelprozess aufbaut. Dieser sei „nicht das Ende der BIM-Implementierung, sondern der Auftakt zur flächenhaften Umsetzung“. Ein Allgemeines Rundschreiben Straßenbau soll die verbindlichen Leitlinien für die Länder festlegen.
In der anschließenden hybriden Publikumsdiskussion im Fishbowl-Format kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Bund, Ländern, planenden Ingenieurbüros und Bauindustrie zusammen. Dirk Röder vom Fernstraßen-Bundesamt stellte die bundesweite Harmonisierung des Objektkatalogs BIM Bundesfernstraßen und die Pflegestelle Straße als weitere konkrete BIM-Bausteine vor. Angela Brandenburg vom Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung Brandenburg berichtete über die erfolgreiche BIM-Einführung in ihrem Land: „Den Regelprozess in kleine Schritte zerlegen, statt vor der Größe der Aufgabe zurückzuschrecken.“ Dr.-Ing. Andreas Bach (Verband Beratender Ingenieure) und Jürgen Litsch (Hauptverband der Deutschen Bauindustrie) unterstrichen, dass die Instrumente bereitstehen und nun in Ausschreibungen und auf der Baustelle ankommen müssen.
Digitaler Zwilling: gemeinsam in die Umsetzung
Am Nachmittag rückte der Digitale Zwilling Bundesfernstraßen in den Mittelpunkt. Claudia Oberheim, Leiterin des Referates StB 27 Digitalisierung und IT im Straßenbau im Bundesministerium für Verkehr, skizzierte in ihrem Impulsvortrag das Zielbild: ein Basiszwilling für die gesamte Infrastruktur, die Verknüpfung vorhandener Datenschätze und perspektivisch höher entwickelte Digitale Zwillinge für spezielle Bauwerke. Der Masterplan soll bis Ende 2026 vorliegen und wird von einer Projektgruppe aus neun Organisationen erarbeitet – darunter die DEGES, die Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt), die Autobahn GmbH des Bundes und BIM.Hamburg.
Konkrete Praxisbeispiele zeigten, was der Digitale Zwilling bereits leistet: Andreas Jackmuth (Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz) berichtete, wie der Digitale Zwilling die Nutzungsdauer der Nibelungenbrücke in Worms um 30 Jahre verlängern kann. Prof. Dr.-Ing. Christian Lippold von der Autobahn GmbH verdeutlichte den Handlungsdruck: „Wir haben ausgedruckte Pläne und so gut wie keine Informationen über den Zustand unserer Bauwerke.“ Werner Breinig, Bereichsleiter Digitalisierung und IT bei der DEGES, betonte die Notwendigkeit einheitlicher Plattformen und Datenstandards als Grundlage für einen funktionierenden Digitalen Zwilling.
Dialogmarkt und Vernetzung
Zwischen den beiden Schwerpunkten konnten sich die Teilnehmenden auf dem begleitenden Dialogmarkt vor Ort und an digitalen Dialoginseln austauschen. Bundesländer wie Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt sowie Organisationen wie die Autobahn GmbH, die BASt, BIM Deutschland, die DEGES und das Fernstraßen-Bundesamt präsentierten ihre BIM-Erfahrungen und Projekte. Die DEGES zeigte unter anderem den Digitalen Zwilling der Rudolf-Wissel-Brücke und ihre Standard-BIM-Anwendungsfälle in Planung und Bau. „Das Interesse am fachlichen Austausch war groß, und wir haben uns gefreut, unsere Ideen und Methoden zur Digitalisierung der Infrastruktur in diesen Dialog einbringen zu können“, so Claudia Feiner, Senior Data Consultant – Digitale Zwillinge bei der DEGES.
DEGES unterstützte bei Konzeption und Umsetzung
Die DEGES verantwortete das Dialogforum im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr sowohl konzeptionell als auch inhaltlich. Unterstützt wurde sie von der Agentur Johanssen + Kretschmer. „Dass sich so viele Fachleute aus Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft aktiv eingebracht haben, zeigt: Die BIM-Community trägt den Weg in den Regelprozess mit Überzeugung mit. Dieses Engagement hat uns sehr gefreut“, sagt Stephan Siegert, Leiter Consulting und Kooperation bei der DEGES.
Werner Breinig schließt: „Man hat heute gesehen, dass BIM und der Digitale Zwilling spürbar an Schwung gewonnen haben – in den Diskussionen, am Dialogmarkt und in den vielen Gesprächen am Rande. Das gibt Rückenwind für die nächsten Schritte.“
Die DEGES setzt bei der Planung und Umsetzung von Infrastrukturprojekten auf die Vorteile der Digitalisierung. Der dafür gegründete Projektbereich „Digitalisierung und IT“ erarbeitet seit 2018 Standards für die Ausschreibung und Umsetzung von BIM Projekten in der Planungs- und Bauphase. Durch die integrierte IT-Abteilung können digitale Lösungen ganzheitlich gedacht und umgesetzt werden. Mit einer eigenen Digitalisierungsstrategie hat die DEGES darüber hinaus die Digitalisierung aller geschäftsrelevanten Abläufe zum Unternehmensziel erklärt.
Digitalisierung lebt dabei von der Vernetzung. Wenn Sie zu unseren Digitalisierungsinitiativen etwas beitragen können oder an ähnlichen Themen arbeiten und sich austauschen wollen – wir freuen uns über die Vernetzung mit Ihnen!


