Im Zuge des Neubaus der A 26 West setzt die DEGES eine Reihe großflächiger Ausgleichsmaßnahmen um, um Eingriffe in Natur und Landschaft zu kompensieren. Ziel dieser Maßnahmen ist es, wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu sichern, neue Biotope zu schaffen und die ökologischen Funktionen von Boden, Wasser und Landschaft langfristig zu stärken. Die Maßnahmen liegen in den Bezirken Harburg und Bergedorf und leisten einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz in der Region. Vier dieser Maßnahmen stellen wir hier vor:

Allermöhe (Bezirk Bergedorf): Entwicklung von Wiesenvogel-Lebensräumen

In Allermöhe wird ein großflächiges Gebiet zu artenreichem Grünland entwickelt, um den Lebensraumverlust von Wiesenvögeln wie Kiebitz, Bekassine, Feldlerche und Wiesenpieper auszugleichen. Durch Extensivierung der Nutzung und gezielte Anhebung der Wasserstände entstehen feuchte Wiesen, die insbesondere in der Brutzeit wichtige Rückzugs- und Bruträume bieten.

Info: Unter extensivem Grünland versteht man eine naturnahe Wiesenlandschaft, welche ohne intensive landwirtschaftliche Nutzung erhalten wird.

Auf den Flächen in Allermöhe wurden die Wasserstände angehoben, um für verschiedene Wiesenbrüter Rückzugsorte und Brutgebiete zu schaffen.

Maßnahmen im Überblick:

  • Umwandlung intensiv genutzter Flächen in extensives Grünland
  • saisonale Vernässung und Anlage von Flachwasserbereichen
  • Pflegeauflagen für eine kurzrasige Vegetation
  • Wiederherstellung und Steuerung des Grabensystems
  • zusätzliche Nisthilfen für den Gartenrotschwanz

Diese Maßnahme trägt vor allem zur „Naturhaushaltsfunktion Pflanzen und Tiere sowie Boden“ bei.

Flächengröße: ca. 32 ha

Info: Der Begriff „Naturhaushaltsfunktion“ stammt aus der Eingriffsregelung im Naturschutzrecht – dort werden die sogenannten Schutzgüter (in diesem Fall Pflanzen und Tiere / Boden) und ihre Funktionen im Naturhaushalt beschrieben.

Altengamme / Curslack (Bezirk Bergedorf): Entwicklung von Brutvogel- und Wiesenvogel-Lebensräumen

In Altengamme und Curslack entstehen neue Lebensräume für Brut- und Wiesenvögel wie Blaukehlchen, Feldschwirl, Gartenrotschwanz und Bekassine. Dafür werden intensiv genutzte Landwirtschaftsflächen in extensives Grünland sowie reich strukturierte Kulturlandschaften umgewandelt. Ziel ist es, Brut- und Rückzugsräume zu schaffen und zugleich die Bodenfunktion zu verbessern.

Auch in Curslack wurden die Wasserstände angehoben, um für Brut- und Wiesenvögel neue Lebensräume zu schaffen.

Maßnahmen im Überblick:

  • Umwandlung von Acker- und Intensivgrünland in extensives, artenreiches Grünland
  • Anhebung der Wasserstände und Anlage von Flachwasserbereichen
  • Wiederherstellung und ökologische Aufwertung des Grabensystems
  • Förderung von Röhrichten, Hochstaudenfluren und Ruderalflächen als strukturreiche Säume
  • Nisthilfen für den Gartenrotschwanz

Diese Maßnahme trägt vor allem zur Naturhaushaltsfunktion Pflanzen und Tiere sowie Boden bei.

Flächengröße: ca. 45 ha

Gut Moor (Bezirk Harburg): Entwicklung strukturreicher Brutvogellebensräume

In Gut Moor werden auf über 48 Hektar neue Lebensräume für zahlreiche Vogelarten geschaffen – darunter Bluthänfling, Wachtelkönig, Kuckuck, Sumpfrohrsänger und Gartenrotschwanz. Dafür werden intensiv genutzte oder brachliegende Flächen in extensives Grünland mit Feuchtstrukturen und Gehölzsäumen umgewandelt. Ziel ist es, ein großflächiges Mosaik aus Wiesen, Feuchtbereichen und Gehölzen zu entwickeln, das vielfältigen Brutvögeln Lebensraum bietet.

In einem neu errichteten Graben im Gut Moor steht die Wasserfeder in Blüte.

 

Maßnahmen im Überblick:

  • Umwandlung von Acker- und Brachflächen in extensives, artenreiches Grünland
  • Anhebung der Wasserstände und Wiederherstellung der Grabensysteme
  • Anlage von Flachwasserbereichen, Röhrichten und Hochstaudenfluren
  • Entwicklung von Dornengebüschen, Strauch- und Baumgruppen als strukturreiche Lebensräume
  • Nisthilfen für Grauschnäpper und Gartenrotschwanz

Diese Maßnahme trägt vor allem zur Naturhaushaltsfunktion Pflanzen und Tiere sowie Boden bei.

Flächengröße: ca. 48 ha

Neugraben-Fischbek (Bezirk Harburg): Lebensräume für Wachtelkönig und Neuntöter im EU-Vogelschutzgebiet „Moorgürtel“

Im EU-Vogelschutzgebiet „Moorgürtel“ werden großflächig neue Lebensräume für gefährdete Arten wie den Wachtelkönig, Neuntöter, Braunkehlchen und Bluthänfling geschaffen. Ziel ist es, die Kohärenz des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 zu sichern und wertvolle Feucht- und Grünlandstrukturen dauerhaft zu erhalten.

Das Knabenkraut ist die volkstümliche Bezeichnung für Pflanzen der Gattung Orchis aus der Familie der Orchideen (Orchidaceae). Es wächst auf der Orchideenwiese im „Moorgürtel“.

Maßnahmen im Überblick:

  • Entwicklung von extensiv genutztem Feuchtgrünland durch gestaffelte Mahd
  • Verzicht auf Beweidung, um Brutverluste des Wachtelkönigs zu vermeiden
  • Anlage von Hochstaudenfluren, Gebüschen und Bracheflächen als Ersatzhabitate
  • Setzen von Ansitzwarten für Neuntöter und Braunkehlchen (Ansitzwarten sind erhöhte Strukturen, die die Vögel zum Jagen, Beobachten und Singen nutzen können)
  • Abzäunung einer Orchideenwiese, Anlage von Kleingewässern und Instandsetzung des Grabensystems

Diese Maßnahme trägt vor allem zur Naturhaushaltsfunktion Pflanzen und Tiere sowie Boden bei.

Flächengröße: ca. 33 ha

Übersicht der vorgestellten Ausgleichsmaßnahmen

Standort / BezirkFläche haZielarten / SchwerpunkteKernelemente der Maßnahme
Allermöhe (Bergedorf)32Kiebitz, Bekassine, Feldlerche, Wiesenpieper, GartenrotschwanzUmwandlung in extensives Grünland · saisonale Vernässung · Flachwasserbereiche · Grabensystem · Nisthilfen
Altengamme / Curslack (Bergedorf)46Blaukehlchen, Feldschwirl, Gartenrotschwanz, Bekassine, StieglitzExtensives Grünland · Anhebung Wasserstände · Flachwasserbereiche · Röhrichte & Hochstauden · Nisthilfen
Gut Moor (Harburg)48Bluthänfling, Wachtelkönig, Kuckuck, Grauschnäpper, Gelbspötter, Sumpfrohrsänger, TeichralleExtensives Grünland · Wasserregime über Seevekanal · Flachwasser- & Röhrichtbereiche · Gehölzsäume · Nisthilfen
Neugraben-Fischbek (Harburg, EU-Vogelschutzgebiet „Moorgürtel“)34Wachtelkönig, Neuntöter, Braunkehlchen, BluthänflingExtensives Feuchtgrünland · gestaffelte Mahd · Hochstaudenfluren & Gebüsche · Ansitzwarten · Kleingewässer & Orchideenwiese
 

Alle Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, die im Zuge des Neubaus der A 26 West umgesetzt werden, umfassen insgesamt eine Fläche von insgesamt ca. 258 ha.