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A 71: Sömmerda – Dreieck Südharz (A 38) (VDE-Zubringer) In Betrieb

36 km vierstreifiger Neubau von Sömmerda in Thüringen über die Landesgrenze Thüringen/Sachsen-Anhalt bis zur A 38 (Dreieck Südharz)

Projektstand

  • Mit der Freigabe des Abschnitts AS Sömmerda — provisorische Anbindung B 85, die am 3. September 2015 stattfand, ist die A 71 durchgehend von Schweinfurt bis zum Autobahndreieck Südharz befahrbar.
  • Die Verkehrsfreigabe des Abschnitts vom Autobahndreieck (AD) Südharz (A 38) bis zur Anschlussstelle (AS) Heldrungen mit ca. 17,9 km Länge und 28 Bauwerken fand am 29. April 2013 statt.
  • Der Abschnitt Anschlussstelle Heldrungen – Anbindung B 85 mit dem 1.725 m langen Schmücketunnel wurde bereits am 12. Dezember 2008 dem Verkehr übergeben.

Tank- und Rastanlage „Leubinger Fürstenhügel“

Aufgabe/Anlauf

  • Die DEGES plant im Verlauf der A 71 im Abschnitt zwischen Autobahnkreuz Erfurt und Dreieck Südharz nördlich der Anschlussstelle Sömmerda-Ost den Bau einer Rastanlage mit Raststätte und Tankstelle als einseitige Anlage. Die Tank- und Rastanlage befindet sich östlich der Autobahn. Sie ist für Verkehrsteilnehmer in Fahrtrichtung Erfurt von der westlichen Richtungsfahrbahn in Verbindung mit einem Überführungsbauwerk erreichbar. Die Rastanlage trägt den Namen „Leubinger Fürstenhügel“ nach dem in einer Entfernung von ca. 200 m benachbarten Grabhügel aus der frühen Bronzezeit.
  • Im Nahbereich dieser bedeutenden archäologischen Fundstätte soll ein Dienstleistungsstandort entstehen, für den im Rahmen eines interdisziplinären Wettbewerbs ein gestalterisch wie funktional überzeugendes Konzept entwickelt werden soll. Angestrebt wird, die Tank- und Rastanlage als „Fenster in die Region“ zu gestalten. Dabei wird der Einbindung der Anlage in den landschaftlichen Zusammenhang des flachwelligen Hügellands sowie der Verknüpfung mit dem Fürstenhügel besondere Bedeutung beigemessen. Der Name „Leubinger Fürstenhügel“ soll Ausgangspunkt einer inhaltlich-thematischen Prägung der Anlage durch die Themen des Fürstenhügels und seiner Kultur sowie der Archäologie beim Autobahnbau sein. Unter Berücksichtigung der verkehrlichen, landschaftlichen und touristischen Rahmenbedingungen soll ein markanter Ort geschaffen werden, der im Verkehrsfluss der Autobahn den kurzen Halt bedient, aber auch Möglichkeiten zum Verweilen, für Ein- und Ausblicke sowie Verbindungen in die umgebende Landschaft/Region eröffnet. Die Ausloberin wünscht innovative Wettbewerbsbeiträge mit regionalem Bezug, die auch hinsichtlich der Berücksichtigung energetischer Aspekte beispielgebend sind.
  • Die Auslobung des Wettbewerbs ist aus Sicht des Kooperationspartners IBA Thüringen ein modellhaftes Verfahren zur Qualifizierung von Infrastrukturmaßnahmen. Die Umsetzung eines erfolgreichen Wettbewerbsentwurfs ist ein Beitrag zur Mobilitäts- und Baukultur.
  • Die Durchführung des Wettbewerbs zielt auf eine optimierte Planung in hoher architektonischer und landschaftsarchitektonischer Qualität. Mit der frühzeitigen Einbindung von konzeptionellen Ansätzen des Kommunikationsdesigns wird dem komplexen, disziplinübergreifenden Ansatz Rechnung getragen. Für die Gebäude der Raststätte und Tankstelle wird eine betont funktionale und wirtschaftliche Lösung angestrebt.
  • Die Jurysitzung fand am 30. April 2015 in Berlin statt.

Ausloberin des Wettbewerbs

  • DEGES Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH
    Zimmerstraße 54, D-10117 Berlin

im Auftrag des Freistaates Thüringen

Fachliche Mitwirkung/Beratung:

  • PAD .Baum .Freytag .Leesch Architekten & Stadtplaner BDA
    Graben 1, D-99423 Weimar

unter Mitwirkung von:

  • PSL Landschaftsarchitekten .Ziegenrücker .Kerl
    Ziegengasse 10, D-99084 Erfurt

Kooperation:

  • Internationale Bauausstellung Thüringen GmbH
    Gutenbergstraße 29a, D-99423 Weimar

Vorprüfer

  • Britta Sauter, Projektleiterin, DEGES, Berlin;
  • Jens Matheisen, Projektmitarbeiter, DEGES, Berlin;
  • Olaf Baum, PAD Architekten & Stadtplaner, Weimar;
  • Dr. Matthias Leesch, PAD Architekten & Stadtplaner, Weimar;
  • Andrea Ziegenrücker, PSL Landschaftsarchitekten, Erfurt;
  • Ulrike Rothe, IBA Thüringen, Weimar;
  • Björn Meyer, Verkehrsplaner i. A. der DEGES, IBV, Halle.

Jury

Fachpreisrichter

  • Prof. Undine Giseke, Landschaftsarchitektin, Berlin (Vorsitz);
  • Prof. Ulf Hestermann, Architekt BDA, Erfurt;
  • Amandus Sattler, Architekt BDA, München;
  • Wolfram Stock, Landschaftsarchitekt, Jena
  • Tom Unverzagt, Kommunikationsdesigner, Leipzig.

Sachpreisrichter

  • Jürgen Abs, Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Bonn;
  • Dr. Marta Doehler-Behzadi, Geschäftsführerin IBA Thüringen, Weimar;
  • Ralf Hauboldt, Bürgermeister Stadt Sömmerda;
  • Lutz Irmer, Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft, Erfurt.
Die Jury des Wettbewerbs
Die Jury (v.l.n.r.): Lutz Irmer, Ralf Hauboldt, Prof. Undine Giseke, Amandus Sattler, Jürgen Abs, Michael Rommel, Wolfram Stock, Tom Unverzagt, Prof. Ulf Hestermann, Dr. Marta Doehler-Behzadi

Teilnehmer

Die vollständigen Angaben der Wettbewerbsteilnehmer finden Sie hier.

Siegerentwurf

Platz 1

MONO Architekten, Berlin / Planorama Landschaftsarchitektur, Berlin / DAS MOMENT Kommunikationsdesign, Wuppertal

1. Platz

Erfahren Sie hier mehr über die Präsentationspläne.

Aus der Begründung der Jury

  • Die Gesamtidee ist sehr schlüssig und überzeugt durch Funktionalität und einfache, schlichte Strukturen, die jedoch einen eigenständigen Ort schaffen. Das Gebäude wird als langgestreckter Winkel konzipiert. Die Tankanlage wird torartig von der Gebäudestruktur eingefasst. Das Gebäude entwickelt sich über den Kiosk als Gelenkpunkt in den Sanitär- und Gastronomiebereich. Aus dem Gastronomiebereich öffnen sich Blickachsen auf den Fürstenhügel.
  • Die Freiräume entwickeln sich von Süden nach Norden, von dichtem Baumbewuchs hin zu einer extensiven Bepflanzung, die den Hügel freistellt. Die angebotenen Landschaftsterrassen öffnen den Blick auf den Landschaftsraum und den Fürstenhügel. Eine klare Wegestruktur führt von der Tank- und Rastanlage zum Hügel, der ringförmig umlaufen werden kann.
  • Die Inspirationsquelle des bedeutenden bronzezeitlichen Langhauses aus dem benachbarten Dermsdorf wird in die Moderne geführt. Sowohl Proportion wie auch Grundrissentwicklung wird zeitgemäß interpretiert und für die geforderte Nutzung mit angemessener Materialität umgesetzt.
  • Die Verformung des Satteldaches hat einen funktionalen Hintergrund und führt zu den entsprechenden Raumhöhen. Der aufgeglaste Giebel gibt in bester Weise den Blick zum Fürstenhügel frei. Der Innenraum zeigt sich freundlich hell und lichtdurchflutet und bekommt durch die verwendete Holzverkleidung eine wohnliche Atmosphäre. Die Fassade wird mit einer einfachen Blechverkleidung über Dach gestaltet und stärkt so den monolithischen, schlichten Charakter des Gebäudes.
  • Das Kommunikationsdesign ist vorbildlich in den Gesamtentwurf integriert. Die positive Schlichtheit der Gestaltung unterstützt klar, deutlich und schön die Vermittlung von Orientierung und Information. Die Farbwahl aus dem thematischen Bezug ist sehr gut gelungen. Die Form der Schrift kann gern kantiger sein, um formal an die Architektur anzuschließen. Die spezifische Form des Satteldachs und des Grundrisses kann mit einem Pfeil ohne Schaft schlüssiger übertragen werden.
  • Die Rastanlage lässt sich nach Norden erweitern. Durch gute Tageslichtversorgung, innovative Konzepte und einfache Bauformen lässt sich ein nachhaltiges Gebäude gut ausführen.
  • Insgesamt tritt das Gebäude mit seinem Landschaftsraum in einem gelungenen Dialog mit der bestehenden Kulturlandschaft und der Geschichte des Ortes. Die Arbeit stellt einen sehr guten Beitrag zur Baukultur des Ortes dar.

2. und 3. Platz

Platz 2

dma deckert mester architekten, Erfurt / club L94 Landschaftsarchitekten, Köln / Iglhaut + von Grote Kommunikationsdesign, Berlin

2. Platz

Erfahren Sie hier mehr über die Präsentationspläne.

  • Die Arbeit zeichnet sich durch ein kraftvolles Gesamtkonzept aus. Die gewählte Großform wird durch einen funktional und gestalterisch klar gegliederter Baukörper geschaffen. Durch dessen Positionierung wird eine prägnante räumliche Wirkung erreicht.
  • Zur Erzielung einer Torwirkung erhält die Gesamtanlage eine durchgehende Überdachung, die im Tankbereich stützenfrei ausgebildet ist und eine Besonderheit darstellt. Die gewählte Höhe der Überdachung ist konstruktiv bedingt und unterstützt die kraftvolle Wirkung des Baukörpers. Das skulpturale Bauwerk gliedert TANKEN + RASTEN (Bewegung und Ruhe) und steht im Kontrast zum bronzezeitlichen Hügelgrab. Das Gesamtkonzept ist aus dem Kontext des Ortes »der Bronzezeit« entwickelt.
  • Die Funktionsbereiche sind logisch untereinander verknüpft und auf kurzen Wegen verbunden. In der kompakten Rastanlage ist der Shop- vom Aufenthaltsbereich separiert. Die Außenraumaufenthalte (Terrassen, Kinderspielplatz) sind sinnvoll angebunden. Die Nähe des Außenbereichs zu den Betankungsanlagen wird als nachteilig empfunden.
  • Die dunkle, an die Bronzezeit angelehnte Farbgebung der Fassade kontrastiert die hellen Innenflächen der Tank- und Rastanlage. Die wirkungsvoll platzierte Gebäudeöffnung sendet dem Ankommenden ein klares Signal und öffnet dem Benutzer der Tankstelle den Blick auf den Fürstenhügel. Insbesondere die Nachtwirkung der hell ausgeleuchteten Tankanlage bekräftigt die Absichten der Verfasser. Die massige Wirkung der Großform der Tank- und Rastanlage wird kontrovers diskutiert.
  • Dem Trennungsprinzip von Tanken und Rasten folgt auch die Bepflanzung, die im stark frequentierten Tankbereich verdichtet ist und sich über die Parkplätze hin zum Fürstenhügel auflockert. Die Unmittelbarkeit in den Freianlagen wird durch das Grundprinzip der Gehölzauflockerung souverän erreicht. Die Arbeit zeigt ein einfaches, überzeugendes Wegekonzept. Der respektvolle Umgang mit dem Fürstengrab erfolgt durch eine mit Abstand zum Hügel angeordnete Treppenanlage, die den Abschluss des Weges darstellt und mit ihrer Form die Kubatur des ursprünglichen Grabhügels nachempfindet. Die Anbindung an das übergeordnete Wegenetz weist noch Potentiale auf, die eine deutlichere Vernetzung vertragen.
  • Das Kommunikationsdesign ist sehr gut in den Gesamtentwurf integriert. Die Systematik von Orientierung und Information ist klar strukturiert. Die Verbindung von vertieften Wegen und Informationen bietet eine schlüssige Erzählung unterwegs zum »Leubinger Fürstenhügel«. Die Orientierungshinweise sind deutlich und zugleich durch ihren wohlwollenden Minimalismus nicht zu laut. Hervorgehoben wird die Geste der Treppe am Hügel. Durch die Distanz wird der Hügel zum Objekt und deutlich in seiner Bedeutung und Reflektierbarkeit intensiviert. Die Schriftart »Frutiger« wird als zu neutral gesehen. Die Ausloberin wünscht sich einen Schriftzug, der entweder minimaler ist oder die Spezifik des Ortes deutlicher reflektiert.
  • Die Wirtschaftlichkeit ist hinsichtlich der Gebäudekennwerte im mittleren Bereich einzuordnen. Zur Fragestellung der Nachhaltigkeit werden schlüssige Aussagen unterbreitet. Besonders hervorgehoben wird das differenzierte Energiekonzept, dass bei einer weiteren Vereinfachung und Optimierung der Anlagenkomponenten einen wirtschaftlichen Betrieb erwarten lässt.

Platz 3

SLIK Architekten, Zürich / Vogt Landschaftsarchitekten, Zürich / Die Gestalter Kommunikationsdesign, St. Gallen

3. Platz

Erfahren Sie hier mehr über die Präsentationspläne.

Die Autoren der Arbeit formulieren das Konzept eines großen und nahezu romantischen Landschaftsparks. Geschwungene Wege, Baumgruppen und Wasseroberflächen sind sein gestalterisches Repertoire. Das ist eine überraschende und ungewöhnliche Aussage. Das Umfeld des Fürstenhügels weist eine dichte (stellenweise zu dichte) Begrünung auf, die in »Clumps« organisiert ist. Vor allem vor dem Hügel sollten die Sichtbeziehungen langfristig frei gehalten und nicht von Bäumen verstellt werden. Aus konservatorischen Gründen ist ein Kenntlichmachen der Aufschüttung des Hügels notwendig.Die Pavillonarchitektur ordnet sich dieser landschaftlichen Idee unter und akzentuiert sie. Lage, Maßstab und die Genauigkeit der Gestaltung versprechen eine hohe Qualität und schöne Beziehungen zwischen den Innen- und Außenräumen. Ob die feine Gestaltung und Detaillierung robust genug für die Übernahme des Konzepts durch einen späteren Konzessionsnehmer ist, wird in Frage gestellt. Dieser Wettbewerbsbeitrag trennt die Tank- von der Rastanlage baulich und funktionell. Insofern bietet er im Spektrum unterschiedlicher Typologien eine interessante Anregung, die für den Bauherrn möglich scheint, für den Betreiber jedoch mit etwas erhöhtem Aufwand verbunden sein dürfte. Die Wirtschaftlichkeit ist hinsichtlich der Gebäudekennwerte im mittleren Bereich gegeben. Die Fläche der Überdachung der Tankanlage liegt im unteren Bereich. Hinsichtlich der Fragestellungen bezüglich der Nachhältigkeit und Energieeffizienz werden keine dezidierten Aussagen getroffen. Kleine Verbesserungen der verkehrlichen Organisation sind ohne weiteres möglich. Das Kommunikationsdesign führt das Konzept von Freiraumgestaltung und Architektur in sich stimmig weiter. Die Bodenbeschriftung führt assoziativ in das Thema ein, ohne eine eigene Orientierungsfunktion zu übernehmen. Im Gebäude werden Überblicksinformationen, vertiefende Aussagen und Angebote für Kinder in einem Layout intelligent organisiert.

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