• Tunnel Stellingen für Gesamtinbetriebnahme fertiggestellt
  • Freigabe für den Verkehr wurde aufgrund der widrigen Witterungsverhältnisse abgesagt
  • Neuer Termin in der Prüfung für Ende Februar / Anfang März

Nach einer Bauzeit von fünf Jahren wurde heute im Rahmen eines kleinen Festaktes die Fertigstellung des Tunnels Stellingen unter Einhaltung der pandemischen Hygiene- und Abstandsregelungen durch Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und Digitale Infrastruktur, Stephan Krenz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Autobahn GmbH des Bundes, Dr. Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende in Hamburg, sowie Dirk Brandenburger, technischer Geschäftsführer der DEGES, verkündet. Trotz der direkten Corona-Auswirkungen beim Bau des Tunnels Stellingen ist es den Verantwortlichen der DEGES, die im Auftrag der Autobahn GmbH des Bundes die Planung und Baudurchführung übernommen haben, und deren Auftragnehmern gelungen, die Tunnelanlage noch in 2020 fertigzustellen. Aufgrund der unerwartet schlechten Witterungsverhältnisse wird die Gesamtinbetriebnahme des Tunnels auf voraussichtlich Ende Februar / Anfang März 2021 verschoben. Die finalen Abstimmungen laufen.

Staatssekretär Enak Ferlemann: „Mit der Fertigstellung des Abschnittes Stellingen wurde ein großer Schritt zur Verbesserung der verkehrlichen Situation auf der A 7 vollendet. Hier zeigt sich, wie trotz aller baulichen und verkehrlichen Herausforderungen an einer der am stärksten belasteten Anschlussstellen deutschlandweit ein Ausbau erfolgreich realisiert werden konnte. Ich danke an dieser Stelle der DEGES und allen am Bau Beteiligten, die hier diesen neuen leistungsfähigen Autobahnabschnitt in vielen Tag-, Nacht- sowie Wochenendschichten errichtet haben. Die Verkehrsfreigabe erfolgt, sobald das Wetter im Norden mitspielt und Schnee und Kälte die Inbetriebnahme nicht mehr länger verhindern.“

Stephan Krenz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Autobahn GmbH: „Die Autobahn GmbH hat die Aufgabe der Auftragsverwaltungen der Länder übernommen und wird die begonnenen Projekte, wie jene hier in Hamburg, weiter vorantreiben und neue anschieben. Am Beispiel Stellingen wird klar, dass dies in der Schlussphase des Projekts im guten Zusammenspiel mit unserem Auftragnehmer DEGES und dem Betreiber, der Niederlassung Nord, vollumfänglich geglückt ist. Mein Dank gilt allen am Projekt beteiligten Firmen und Auftragnehmern und insbesondere der DEGES, die hier unter laufendem Verkehr eines der breitesten Tunnelbauwerke der Bundesrepublik in kurzer Bauzeit realisiert hat! Und ich danke allen Anwohnern und Autofahrern für die aufgebrachte Geduld während der Bauzeit und wünsche den Anwohnern die versprochene Ruhe, den Nutzern weiterhin eine gute Fahrt und unserem Betrieb eine gute Hand.“

Dr. Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende: „Die Fertigstellung des Tunnels Stellingen zeigt, dass sich Autobahn- und Stadtentwicklungsprojekte in Hamburg gut ergänzen. Mit dem Ausbau der A 7 als wichtige verkehrliche Verbindung für Hamburg und die Metropolregion haben tausende Anwohnerinnen und Anwohner hier in Stellingen nach Jahrzehnten in einem geteilten, lärmbelasteten Stadtteil nun einen vollumfänglichen Lärmschutz erhalten. Das optimiert nicht nur die Attraktivität des Stadtviertels, sondern vor allem die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger durch weniger Lärm und bessere Luft. Der neue Lärmschutzdeckel wird rund 54.000 m² neue Grünfläche inklusive Kleingartenflächen entstehen lassen. Ich danke dem Bund, der durch seine Investitionen in dieses Projekt eine sehr gute Lösung für die Verkehre der Zukunft sowie für die Anwohnerinnen und Anwohner vor Ort realisiert hat.“

Hintergrund

In dem rund 3,2 km langen Bauabschnitt Stellingen zwischen dem Autobahndreieck HH-Nordwest und der Anschlussstelle (AS) HH-Volkspark wurde die A 7 von sechs auf acht Fahrstreifen erweitert. Bereits im Oktober 2018 wurde in diesem Ausbauabschnitt der Neubau der Langenfelder Brücke planmäßig nach vier Jahren Bauzeit fertiggestellt. Nun folgt auch der rund 960 m lange Lärmschutzdeckel (893 m Tunnel Rohbau zzgl. Portalbauwerk und angrenzende Brücken) in HH-Stellingen. In Summe wurden für die Gründung des Bauwerks 2.750 Bohrpfähle verbaut. Für die Arbeiten an dem Lärmschutzdeckel Stellingen wurden insgesamt 93.000 m³ bzw. rund 14.000 Lkw-Ladungen Beton sowie 13.500 Tonnen Stahl und Bewehrung verbaut. Zum Schutz der Anwohnerinnen und Anwohner wurden im Anschluss an das Tunnelbauwerk weitere umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen errichtet.

Zudem wird auf der gesamten Ausbaustrecke außerhalb des Tunnelbauwerks nach Fertigstellung der Restarbeiten lärmmindernder offenporiger Asphalt eingebaut. Der Tunnel Stellingen wurde nach den neuesten technischen Sicherheitsstandards ausgestattet. Das Tunnelbauwerk wurde in einem Abstand von 60 m mit 15 Notausgangstüren in der Mittelwand und in beiden Tunnelröhren alle 120 m insgesamt mit 16 Notrufstationen ausgestattet.

Für die Videoüberwachung und Videodetektion zur Erkennung von Rauch, Falschfahrern, Liegenbleibern, Stau sowie Fußgängern wurden insgesamt 72 Kameras installiert. Der Tunnel verfügt insgesamt über 95 Lautsprecher und etwa 1.000 Leuchten sowie 16 Strahlventilatoren je Tunnelröhre. Für die Verkehrslenkung wurden hunderte Dauerlichtzeichen und Wechselverkehrszeichen installiert. Zudem wurden 14 Automatik- und fünf Handschranken als Leit- und Sperrsysteme hergestellt. Im Zuge der Restarbeiten werden zwei automatische Mittelstreifenüberleitsysteme mit einer Länge von rund 100 m installiert, welche den Verkehr in Wartungs- oder Havariefällen in die verfügbare Tunnelröhre führen. Insgesamt wurden für die betriebs- und verkehrstechnische Einbindung des Stellingentunnels an die Tunnelbetriebszentrale rund 36 Kilometer Starkstrom- und Schwachstromkabel verlegt.

Als Restleistung wird in 2021 noch der offenporige Asphalt (OPA) auf beiden Richtungsfahrbahnen der A 7 zwischen dem Autobahndreieck HH-Nordwest und der Anschlussstelle HH-Volkspark eingebaut. Der lärmmindernde Asphalt ist in diesem Bereich als ergänzende Lärmschutzmaßnahme planfestgestellt und zwingend erforderlich. Der Einbau kann aus Qualitätsgründen erst bei guten Witterungsbedingungen erfolgen. Dies ist insbesondere im Hinblick auf eine möglichst hohe Haltbarkeit des Asphalts und auf eine langanhaltende Lärmimmissionsminderung wichtig.

Zunächst wird weiterhin eine 3+3-Verkehrsführung eingerichtet, um die aus verkehrssicherheitstechnischen Gründen notwendigen vollautomatischen Mittelstreifenüberleitungssysteme (MÜLS) installieren zu können. Zudem wird nördlich des Stellingentunnels die erforderliche Grundinstandsetzung der Fahrbahn durchgeführt. In diesem Bereich wurde während der gesamten Baumaßnahmen der Verkehr über den Mittelstreifen geführt, sodass die notwendigen Arbeiten nun erst im Nachgang durchgeführt werden können. Nach Fertigstellung der genannten Restarbeiten auf der A 7 im Bauabschnitt Stellingen wird dann die endgültige 4+4-Verkehrsführung eingerichtet.

Die umfangreiche Sanierung der Übergangskonstruktionen am Überführungsbauwerk Kieler Straße wurde 2020 erfolgreich abgeschlossen. In den nächsten Monaten werden im Bereich der AS HH-Stellingen die Straßenbauarbeiten für die endgültige Wiederherstellung des Straßenverlaufs Kieler Straße unter laufendem Verkehr durchgeführt. Um die Leistungsfähigkeit des Knotenpunktes an der AS HH-Stellingen aufrechtzuhalten, wurden die baulichen Einschränkungen mit Blick auf die Inbetriebnahme des Tunnels Stellingen zeitlich entzerrt.

Der Tunnel Stellingen wird zukünftig die Gefahrgutklasse A erhalten.