Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

liest man sich dieser Tage durch Zeitungen und soziale Netzwerke, so kann man sich gelegentlich des Eindrucks nicht erwehren, dass Ausbau und Erhalt der Infrastruktur in der veröffentlichten Meinung von einer breiten Mehrheit abgelehnt werden. Das jedoch trügt, und gern vergessen wird dabei, dass wir auch mit neuen, noch umweltverträglicheren Fahrzeugen – gleich welchen Antriebs – Fahrbahnen brauchen werden. Mobilität ist für eine funktionierende Gesellschaft unverzichtbar.

Die DEGES als Projektmanagementgesellschaft des Bundes und zwölf Bundesländer hat den gesetzlichen Auftrag, im Bundesverkehrswegeplan festgeschriebene Projekte umzusetzen und zu realisieren. Das tut sie unter politischen Rahmenbedingungen, ohne selbst politisch zu agieren. Wir planen Autobahnen, und etliche wichtige Projekte liegen derzeit in Schleswig-Holstein.

Bei einigen Leuchtturmprojekten wie der A 20 oder der Rader Hochbrücke hat sich in den vergangenen Wochen viel bewegt. Davon und von anderen Entwicklungen berichten wir im aktuellen Newsletter. Wir wünschen Ihnen allzeit eine möglichst störungsarme Mobilität.

Beste Wünsche,
Ihr

Bernd Rothe
Bereichsleiter Nord, DEGES

Top-Thema

An der Rader Hochbrücke haben die Bauarbeiten begonnen

Seit Ende 2022 wurde auf beiden Seiten des Nord-Ostsee-Kanals das Baufeld vorbereitet, und jetzt haben die Bauarbeiten auch offiziell begonnen: Am 5. April gaben Staatssekretär Oliver Luksic, der schleswig-holsteinische Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen, Autobahn-Chef Stephan Krenz und DEGES-Bereichsleiter Bernd Rothe den Startschuss mit dem symbolischen ersten Spatenstich.

Bei bestem Wetter betonten die Redner die Bedeutung des Bauwerks auch über die Region hinaus. „Im Fall der Rader Hochbrücke war eine Instandsetzung technisch nicht mehr möglich. Die Lösung konnte also nur Neubau heißen, und den gehen alle Beteiligten jetzt mit Vollgas an“, so der Staatssekretär in seiner Ansprache. Minister Madsen betonte die verbindende Wirkung der neuen Brücke: „Für mich als Däne und Deutscher ist diese Brücke eines der starken Seile, die unsere beiden Länder miteinander verknüpfen. Die Rader Hochbrücke und die A 7 sind Garanten für den barrierefreien Austausch von Waren, Wirtschaftsleistungen und Kultur. Die Brücke sichert Arbeitswege und erleichtert Deutschen und Dänen den Weg in die jeweils andere Region.“

Foto vom Spatenstich: Der ehemalige Minister Bernd Buchholz, Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen, Staatssekretär Oliver Luksic, Autobahn-Chef Stephan Krenz und DEGES-Bereichsleiter Bernd Rothe stehen vor der Rader Hochbrücke und greifen zur Schaufel.
Der ehemalige Minister Bernd Buchholz, Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen, Staatssekretär Oliver Luksic, Autobahn-Chef Stephan Krenz und DEGES-Bereichsleiter Bernd Rothe griffen zur Schaufel. | Bildnachweis: DEGES

Die Planung für ein Ersatzbauwerk der Rader Hochbrücke war erforderlich geworden, nachdem es im Sommer 2013 wegen Verschleiß an den Betonelementen zu einer Teilsperrung der Brücke gekommen war. Statische Nachrechnungen im Jahr 2014 bescheinigten der Brücke eine Restnutzungsdauer bis 2026. DEGES-Bereichsleiter Bernd Rothe bedankte sich insbesondere bei den direkten Anwohnern im Bereich des Treidelwegs für die bislang so offene Zusammenarbeit und die Geduld: „Ich kann Ihnen für die kommenden Wochen und Monate nicht versprechen, dass es leiser für Sie wird, aber ich verspreche Ihnen, dass es nach Fertigstellung der Brücke leiser werden wird.“

Bis Ende 2026 wird ein Konsortium unter Führung der Implenia Construction GmbH die östliche Brückenhälfte errichten. Ihr zur Seite stehen die ZSB Zwickauer Sonderstahlbau GmbH sowie die Plauen Stahl Technologie GmbH. Anschließend wird der Verkehr von der jetzt bestehenden Rader Hochbrücke genommen, damit sie abgebrochen werden kann. Von 2028 an lässt die DEGES die westliche Brückenhälfte errichten; gleichzeitig wird die A 7 zwischen der Anschlussstelle Büdelsdorf und dem Kreuz Rendsburg auf sechs Fahrstreifen erweitert.

Die rund 120 Gäste des Spatenstichs stehen vor der Bühne und lauschen den Ausführungen der Redner.
Mehr als 120 Gäste verfolgten den symbolischen ersten Spatenstich. | Bildnachweis: DEGES

Der Bau der Rader Hochbrücke beginnt mit einem Versprechen

Neben dem offiziellen Spatenstich gab es am 5. April an der Rader Hochbrücke noch eine weitere Zeremonie: Brücken-Projektleiter Martin Steinkühler hatte die beteiligten Unternehmen sowie die Bauüberwachung/Bauoberleitung (BOL/BÜ) zur Unterzeichnung eines Code of Conduct an einen Tisch geholt. Der Bau der Rader Hochbrücke sei durch technisch und organisatorisch komplexe Bauprozesse gekennzeichnet, deren Bewältigung eine Herausforderung für die Projektbeteiligten darstelle, so Steinkühler. Diese Herausforderungen müssten im Interesse einer wirtschaftlichen und effizienten Bauabwicklung gemeinsam bewältigt werden.

Und so versprachen sich Vertreter der DEGES, der EHS Ingenieure als BOL/BÜ und der ARGE mit Implenia, Stahlbau Plauen und Zwickauer Sonderstahlbau gegenseitig eine Charta der Zusammenarbeit. Die enthält die nachfolgenden Regeln.

• Wir gehen fair miteinander um und respektieren einander.
• Wir vereinbaren zum Auftakt eine gemeinsame Projektkultur.
• Wir regeln und kommunizieren Verantwortlichkeiten frühzeitig und verlässlich.
• Wir entscheiden zeitnah und faktenbasiert.
• Wir etablieren eine Fehlerkultur in der Sache – ohne Schuldzuweisung.
• Wir erkennen Störungen, kommunizieren sie und finden schnell Abhilfe.
• Wir einigen uns bei notwendigen Leistungsänderungen schnell und verbindlich.
• Wir werden Streit vermeiden oder klären: rasch, effizient, unter uns.

Foto aus dem Festzelt: Die Vertreter der am Bau der Rader Hochbrücke beteiligten Akteure halten Ausdrucke der Charta der Zusammenarbeit in die Kamera.
Vertreter der am Bau der Rader Hochbrücke beteiligten Akteure nach Unterzeichnung der Charta der Zusammenarbeit. | Bildnachweis: DEGES

Schon beim Vergabeverfahren haben wir als DEGES neue Wege beschritten – die drei Bieter konnten eigene Vorschläge für einen gegebenenfalls zu optimierenden Bauverlauf machen. „Wir wollten das Know-how unserer Auftragnehmer vom ersten Kontakt an für das Projekt nutzen“, beschreibt Steinkühler unseren Ansatz. Und für alle Beteiligten steht fest: So wollen sie es auch in den kommenden dreieinhalb Jahren halten. Fair, gemeinsam und vor allem partnerschaftlich.

News

A 20, Abschnitt 8: Planfeststellungsbeschluss ist da

Visualisierung eines möglichen Tunnelelements.
Bildnachweis: DEGES

Endlich einmal gute Nachrichten für die A 20: Das Amt für Planfeststellung Verkehr hat am 9. Januar den Planfeststellungsbeschluss (PFB) für den Abschnitt 8 erlassen – das ist der westlichste auf schleswig-holsteinischem Gebiet mitsamt der Elbquerung nach Niedersachsen. Leider können die Bagger aber noch nicht rollen, denn der Abschnitt ist verklammert mit dem Abschnitt 7 sowie dem Kreuz Kehdingen in Niedersachsen. Das macht insofern Sinn, als ein Tunnel ohne verkehrlichen Anschluss der Mobilität auch erstmal nicht weiterhilft. Für den Abschnitt 7 erwartet die DEGES den Beschluss noch in 2023, für das Kreuz Kehdingen zeichnen niedersächsische Behörden verantwortlich und erwarten diesen frühestens im Frühjahr 2024. Umweltverbände wie auch die FRS als Betreiber der Fähre Glückstadt-Wischhafen haben darüber hinaus bereits Klagen gegen den erlassenen PFB beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht.

A 20, Abschnitt 3: Mit Vollgas zum Baurecht

Projektleiter Rüdiger Martens steht im Kreistagssaal Segeberg und erläutert den Gästen aktuellen Stand der Planungen.
Bildnachweis: DEGES

Am 9. März informierten Projektleiter Rüdiger Martens und sein Team die Träger öffentlicher Belange in Bad Segeberg, dass die Fehlerheilung im Abschnitt 3 der A 20 nunmehr abgeschlossen ist und die DEGES schnell ins Fehlerheilungsverfahren einsteigen will. Im Publikum saßen Landtags- und Kreistagsabgeordnete, Bürgermeister, Vertreter der Wirtschaft und der Umweltverbände. Der Zeitplan sieht eine Auslegung der Planänderungsunterlagen im dritten Quartal 2023 vor. Die DEGES strebt einen vollziehbaren Planfeststellungsbeschluss für 2024 an. Und das wird auch Zeit – eine ganze Stadt kann die Autobahn, die ihr auf einen Schlag mehr Lebensqualität verleihen würde, kaum erwarten.

Ausbau A 23: Dialoge werden fortgeführt

Bild der A 23 auf Höhe der Ausfahrt Halstenbek-Krupunder/Rellingen-Süd.
Bildnachweis: DEGES

Die DEGES wird den Dialog mit Anwohnern und Betroffenen in der Vorbereitung des sechsstreifigen Ausbaus der A 23 auch im laufenden Jahr fortsetzen. Für den Juni ist zunächst ein Termin zwischen Projektteam, Planern, Verwaltungen und den Fahrradverbänden vorgesehen, um die Anregungen der Radfahrer aufzunehmen und in die Planung einfließen lassen zu können. Im Oktober wird das Projektteam dann die interessierte Öffentlichkeit in einer größeren Veranstaltung über den Fortgang der Planungen und die nächsten Schritte informieren. Sollte sich die Notwendigkeit ergeben, dann werden auch die Planungswerkstätten für die drei Abschnitte des knapp 16 Kilometer langen Teilstücks zwischen Hamburg-Eidelstedt und Tornesch erneut tagen.

Fehmarn: Ausbau der B 207 kommt voran

Bild der B 207 auf Höhe der zukünftigen Anschlussstelle Puttgarden.
Bildnachweis: DEGES

Der Ausbau der B 207 auf Fehmarn ist gut angelaufen. Gemäß Planfeststellungsbeschluss hat die DEGES mit den bauvorbereitenden Arbeiten im Bereich der zukünftigen Anschlussstelle Puttgarden begonnen. Derzeit laufen die Analyse der Bodenproben sowie Vorarbeiten auf dem zukünftigen Baugrund. Mit Vergabe der nächsten Bau-Lose wird den Insulanern und ihren Besuchern auch schnell das erste Bauwerk ins Auge fallen – konkret eine Brücke über die spätere B 207. Später folgen dann die Überführungsbauwerke über den Drohngraben sowie die Bahnstrecke.

Gesichter der Planung

An dieser Stelle stellen wir die Personen und Gesichter vor, die für die Planungen unserer Infrastrukturprojekte verantwortlich sind. Heute verrät uns Dipl.-Ing. Kevin Schmitz, was eigentlich ein Bauvorbereiter macht und was die Unterschiede zwischen einer Baustelle in Deutschland und in Luxemburg sind.

Portraitbild von Bauvorbereiter Kevin Schmitz
Bildnachweis: DEGES

Herr Schmitz, Sie verantworten die Bauvorbereitung im Team Fehmarn der DEGES. Was genau tun Sie da?

Als Projektingenieur für die Bauvorbereitung bin ich zuständig für die Erstellung von relevanten Bauverträgen sowie die Koordinierung und Beauftragung der am Projekt beteiligten Ingenieurbüros und Baufirmen.
Dies beinhaltet etwa die Beauftragung und Bearbeitung von Leistungsanfragen, die Veranlassung und Erstellung der Ausschreibungsunterlagen, die Begleitung der Vergabe sowie der auszuführenden Baumaßnahme. Derzeit betreue ich auf Fehmarn unter anderem die Baugrunduntersuchungen, Fäll- und Rodungsarbeiten, Leitungsverlegungen sowie die Vorbereitung der anstehenden Bau-Lose der Hinterlandanbindung.

Fehmarn mit Belt- und Sundtunnel und der Ausbau der B 207 gelten als Jahrhundertprojekt. Wo liegen die besonderen Herausforderungen?

Hinsichtlich des vierstreifigen Ausbaus der B 207 ist die größte Herausforderung der Bau im Bestand. Während des Ausbaus soll der Eingriff in den Verkehr möglichst gering bleiben. Da Fehmarn über mehrere Monate ein hohes touristisches Aufkommen erfährt, sind die Bauphasen und somit der Bauablauf sehr genau zu erstellen.

Beim Projekt gibt es mehrere Vorhabenträger und viele Teilprojekte, da besteht die Notwendigkeit intensiver Kommunikation und Abstimmungen unter den Vorhabenträger sowie mit den beteiligten Dritten wie Planfeststellungsbehörde, Naturschutzbehörden, Wasserverbände, Umweltbaubegleitungen und Verkehrsbehörden.

Sie sind Luxemburger und leben seit zwei Jahren in Deutschland. Was ist aus Ihrer Sicht der gravierendste Unterschied beim Bauen in beiden Ländern?
Tatsächlich gibt es gar keine so großen Unterschiede. Jede Baustelle, ob groß oder klein, hat ihre Hürden, Hindernisse und Herausforderungen. Die Themen Umwelt, Bauen im Bestand, Baugeschehen und der bürokratische Ablauf sind vergleichbar.

Durch die überschaubare Größe ist die Kommunikation zwischen den verschiedenen Behörden, Verwaltungen, Ministerien, Baufirmen und Ingenieurbüros in Luxemburg jedoch einfacherer. So können manchmal auf kurzem Dienstweg Entscheidungen und Abstimmungen der teils komplexen Bauvorhaben getroffen werden.

Eine Erschwernis ist gelegentlich die Kommunikation unter den Akteuren in drei verschiedenen Sprachen – dass das nicht immer einfach ist, wissen wir ja spätestens seit dem Turmbau zu Babel…

Noch Fragen?

Wir halten Sie auf dem Laufenden:

  • Auf den Projektwebseiten können Sie sich über den aktuellen Projektstand sowie über baubedingte Änderungen in der Verkehrsführung informieren. Sie finden dort Hintergrundinformationen und Antworten auf häufig gestellte Fragen.
  • Wir informieren die Anwohnerinnen und Anwohner anlassbezogen über aktuelle Entwicklungen in den Projekten.

Stellen Sie uns Ihre Fragen:

  • Auf Anfragen über das Kontaktformular auf der jeweiligen Unterseite zum Projekt reagieren wir in der Regel innerhalb eines Arbeitstages. Sie können uns auch gerne eine E-Mail schicken.
  • Unterstützen Sie uns und teilen Sie uns mit, welche Themen und Fragen für Sie von besonderem Interesse sind. Ihre Rückmeldungen und Hinweise fließen in die Projektkommunikation ein.